Chinesischen Tee eingiessen

Teebuch Gong Fu Cha

von Länggass-Tee Geschäftsleiterin Tina Wagner Lange

Für einmal geht es in unserem Kaffeeblog nicht um Kaffee, sondern um Tee. Oft werden Kaffee und Tee «als Brüder im Geiste» angesehen, denn bei beiden Getränkearten stehen für Liebhaber drei wesentliche Faktoren für den optimalen Geschmack im Vordergrund: Die Qualität des Rohprodukts, die Verarbeitung sowie letztlich die ideale Zubereitung. Wie die Welt des Kaffees ist auch die Tee-Welt facettenreich, komplex und spannend. Das kürzlich im at-Verlag erschienene Buch «Gong Fu Cha» – welches auf grossartige Resonanz in der Literatur- und Fachpresse gestossen ist – beleuchtet diese Welt eindrucksvoll, detailliert und zugleich überaus zugänglich. Wir sprachen mit der Autorin, Tina Wagner Lange, die neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit bei unserem langjährigen Partner, der bekannten Berner Familienunternehmung «Länggass-Tee», in der Geschäftsleitung ist und die firmeninterne Teeschule leitet, über ihr prämiertes Buch. Das Buch ist unter anderem mit dem “swiss gourmetbook award 2020” und dem “Gourmand World Cookbook Awards 2020” ausgezeichnet worden. Es ist nicht nur ein überaus sorgfältig gestaltetes und erstklassig fotografiertes Sachbuch über chinesischen Tee, sondern auch ein feinfühliges, mitunter gesellschaftliches Porträt über das «Reich der Mitte».

 


Teeverarbeitung in Nannuoshan

Interview mit Frau Wagner Lange
 

Frau Wagner Lange, wie kamen Sie auf die Idee ein Buch über Tee mit Fokus China zu schreiben?

Das Buchprojekt ist aus der Begegnung mit den Co-Autorinnen Judith Gmür-Stalder (Rezepte) und Maurice K. Grünig (Fotografie) entstanden. Gemeinsam besuchten sie bei mir die Teeschule mit dem Wunsch ein Herzensprojekt anzugehen. Nach einem kurzen Austausch stand fest, dass wir als Team gut funktionieren würden. So entstand unser Buchprojekt. Gleichzeitig hat Länggass-Tee in den 36 Jahren seit der Gründung des Geschäfts so viel Fachwissen angesammelt, dass es ganz einfach an der Zeit war, damit ein Buch zu gestalten.

Abgesehen vom geografischen Bezug zu China, was unterscheidet dieses Buch von anderen Teebüchern?

Das Buch hat einen ganzheitlichen Ansatz. Wir versuchen Tee als Kulturgut zu verstehen. Die Fotografien dokumentieren die Lebenswelt in den Anbauregionen, sie zeigen die wundervollen Anbaugebiete ohne zu romantisieren. Gleichzeitig ist Tee ein hochwertiges Genussmittel, dessen Herstellungsmethoden vielseitig und technisch interessant sind. Unser Fachwissen wurde vor Ort, direkt bei den Produzentinnen und Produzenten ausgearbeitet und erweitert, was dem Buch aussergewöhnliche Tiefe verleiht. Zum Schluss schlagen wir den Bogen zur Geniesserin und dem Geniesser, denn was wäre Tee ohne jene Menschen, die ihn schätzen und lieben? Wir versuchen die Verbindung zu schaffen zwischen dem Ursprung eines Tees und jener Person, die ihn trinkt, geniesst und sich inspirieren lässt - zum Beispiel zu innovativen Rezeptkreationen.

Pu-Er Schokoladenkuchen

 

Zur Recherche für Ihr Buch haben Sie China intensiv bereist. Welche Eindrücke haben Sie von dem Land gewonnen? Was hat Sie besonders fasziniert?

Ganz besonders begeistert mich in China die Ess- und Trinkkultur. Der Genuss steht über strengen Benimmregeln, das inspiriert uns. Des Weiteren fasziniert China, weil es ein Land der Gegensätze ist und dadurch viele menschliche Widersprüche sichtbar werden. So finden sich in China die schönsten, alten Teebäume in den Urwäldern Yunnans (Provinz im südwestlichen China) und gleichzeitig gibt es Regionen mit Monokulturen, soweit das Auge reicht. In unserem Buch versuchen wir, diesen Widersprüchen auf authentische Weise zu begegnen, ohne zu verurteilen. Denn unter all den Eindrücken, die das Land vermittelt, ist wahre Schönheit zu finden und echte, herzliche Begegnungen bereichern unser Schaffen mit Tee.

Was macht Tee aus China so speziell? Weshalb spielt Tee in Ostasien so eine gesellschaftlich gewichtige Rolle?

China ist das Ursprungsland des Tees. Die Geschichte reicht weit zurück von der ersten Nutzung der Blätter zu medizinischen Zwecken bis hin zur Veredelung der Blätter, die heute in einer reichen Aromenwelt ihren Ausdruck findet. In diesem Land gibt es zudem alle Herstellungsarten in unterschiedlichen lokalen Traditionen. Daher ist die chinesische Teewelt ganz besonders reich und vielschichtig. In Japan zum Beispiel wird fast ausschliesslich grüner Tee japanischer Art hergestellt, in Indien fast ausschliesslich schwarzer Tee indischer Art. In den ursprünglichen Teeanbauländern (China und Japan) hat Tee eine jahrhundertealte Tradition und wird sowohl als Alltagsgetränk als auch als hochwertige Rarität sehr geschätzt. Der Tee hat in China einen ähnlichen Status wie der Wein in Europa. Ich denke, ein Grund dafür liegt darin, dass Tee in China ein uraltes, hochgeschätztes Kulturgut ist.

Teeverarbeitung in Jingxiu

 

Was war die grösste Herausforderung – von der ersten Idee, Recherche, bis hin zum gebundenen Buch?

Es gibt im Erarbeiten eines Buches sehr viele Entscheidungen zu treffen. Dies war einerseits eine grosse Herausforderung, weil uns die Erfahrung fehlte, andererseits waren wir sehr frei und haben immer unser Herz entscheiden lassen. Wir konnten so das Buch genau so gestalten, wie es uns richtig erschien. Dazu zu stehen war nicht immer einfach, doch wenn wir jetzt unser Buch in den Händen halten, freuen wir uns immer wieder sehr…

Was hat Ihnen am (Buch-)Entstehungsprozess besonders gefallen?

Dass wir immer wieder genau das gemacht haben, was uns am Besten gefiel und wir als Team in Bezug auf diese Entscheidungen sehr viel Klarheit hatten.

Haben Sie in China einen neuen Tee liebgewonnen, den Sie vorher nicht mochten oder kannten?

Ich habe diejenigen Tees, die ich schon liebte noch mehr lieben gelernt. In der Länggasse einen Tee aus alten Teebäumen (Pu Er Sheng Cha) zu geniessen ist sehr schön. Wenn man den Tee am Ursprungsort geniesst und kurz zuvor noch direkt unter den Bäumen stand, ist das schon eine sehr aussergewöhnliche, berührende Situation.

Hand aufs Herz: Trinken Sie eigentlich nur Tee, oder manchmal auch eine Tasse Kaffee?

Ich bin eine Geniesserin, ich esse und trinke alle guten Dinge gerne…

 

Wenn man den Tee am Ursprungsort geniesst und kurz zuvor noch direkt unter den Bäumen stand, ist das schon eine sehr aussergewöhnliche, berührende Situation.

Tina Wagner Lange
Länngass-Tee

Vielen Dank Frau Wagner Lange für dieses interessante und aufregende Interview. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Länggass-Tee und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg.

 

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